Surreale digitale Collage eines transparenten Schmetterlings auf einer technischen Drahtgitter-Hand vor schwarzem Hintergrund, als Symbol für Präzision und den Aufbau stabiler Design-Systeme.

Warum wir im Februar lieber die Segel flicken, statt den Kurs zu prüfen.

10. Februar 2026

Der Februar ist ein seltsamer Zwischenraum. Er trägt seinen Namen nicht ohne Grund: Das lateinische „februare“ bedeutet reinigen. Doch während wir theoretisch die Zeit hätten, Altlasten über Bord zu werfen, herrscht in den meisten Büros gerade hektischer Betriebsfunk. Die Messen rücken näher, Kampagnen müssen raus, neue Mitarbeiter ergänzen das Team. Es ist die Hochsaison der guten Vorsätze, die nun in greifbare Deadlines umschlagen.

Dabei zeigt sich oft ein Phänomen, das an Sisyphus erinnert: Es werden lieber die Fenster geputzt, obwohl der Rahmen darunter längst vor sich hinmodert. Das Ergebnis ist eine händeringende Suche nach Politur. Ein frisches Design wird über ein veraltetes Konzept geklebt; man hofft inständig, dass niemand den Riss im Fundament bemerkt. Doch wer nur die Oberfläche poliert, produziert am Ende nur eines: Grundrauschen. Wir müssen uns ehrlich fragen, ob wir mit der nächsten Grafik oder dem nächsten schnellen Web-Update wirklich Substanz schaffen oder nur das Rauschen verstärken. Überladung zerstört die Wahrnehmung; sie ist das radikale Gegenteil von Präzision.

Ein stimmiger Auftritt entsteht erst dann, wenn Technik und Botschaft so sauber ineinandergreifen, dass man die Nahtstellen nicht mehr sieht. Vielleicht ist das der wichtigste Hausputz für diesen Monat: Den Mut zu besitzen, die hohlen Phrasen und das optische Blendwerk wegzulassen. Es geht um ehrliches Handwerk, das im Hintergrund die Arbeit macht, damit vorne die Wirkung stimmt. Das gilt für den mehrsprachigen Satz genauso wie für die technische Tiefe der Druckvorstufe. Wenn das System steht, braucht man keine lauten Effekte mehr, um den Markenkern zu stärken.

Zur Beruhigung hilft ein Blick zurück: Im antiken Rom war das Februa-Fest keine lästige Pflichtübung. Es war die zwingende Voraussetzung dafür, dass das neue Jahr überhaupt beginnen durfte. Ohne Reinigung gab es keinen Neustart. Wer heute die technischen Altlasten in seinen Projekten aussortiert, schafft den Platz, den eine starke Marke zum Atmen braucht. Es reicht am Ende völlig aus, wenn die Substanz trägt. Wir sollten uns weniger darauf konzentrieren, wie wir etwas „hübsch“ machen, sondern darauf, was es bewirken soll.

Am Ende bleibt die Frage für die kommenden Wochen: Bereiten wir nur den nächsten oberflächlichen Frühjahrsputz vor oder bauen wir diesmal ein System, das stehen bleibt, wenn der Wind im Frühjahr wirklich dreht?

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